„Dear Passengers - the next stop is Hamburg Diebsteich.“ Diese Ansage wird in den ICE-Zügen niemand hören. Doch genau dort, am Diebsteich, möchte die Deutsche Bahn ab 2029 den Fernverkehr aller Züge von und nach Altona abwickeln. Der neue Bahnhof soll rund zwei Kilometer nördlich vom jetzigen Standort den gleichen Namen tragen wie jetzt: Hamburg Altona.
Vorgesehen ist ein achtgleisiger Bahnhof mit sechs Fern- und Regionalbahngleisen sowie zwei S-Bahn-Gleisen.
Durch den Umzug werden große Flächen auf dem Areal des jetzigen Kopf- und früheren Güterbahnhofs frei, die schon lange für das Neubauprojekt Mitte Altona mit tausenden neuen Wohnungen verplant sind.
Verkehrspolitisch ist das Vorhaben höchst umstritten.
Kritiker bemängeln, dass die Deutsche Bahn mit dem Projekt keine fahrgastfreundlichen Interessen vertritt. So fordert die Initiative Prellbock seit Jahren den Erhalt des jetzigen Bahnhofs im Zentrum Altonas.
Der Hamburger Journalist Sebastian Grundke hat alle Entwicklungen rund um das zweitgrößte Neubauprojekt der Deutschen Bahn in einer umfangreichen Timeline zusammengefasst.
Für viele Menschen am Diebsteich bedeutet die Verlegung des Bahnhofs eine gravierende Veränderung
ihres Quartiers.
So gab es viele Jahre eine Anwohner-Initiative, um in den Planungen von Politik und Bahn mit ihren Interessen vertreten zu sein.
Während der kontrovers verlaufenden Gespräche über die geplante Bahnhofs-Verlegung wurde bekannt, dass die Stadt Hamburg am Diebsteich unter anderem auch den Bau einer Konzerthalle mit 5000 Plätzen am Diebsteich plant. Die Anwohner*innen fühlten sich ungehört und luden zu einer Podiumsdiskussion mit Abgeordneten kurz vor der Bürgerschaftswahl Ende Februar 2020. Gut ein halbes Jahr später stellte die Stadt die Pläne für das Areal bei einer öffentlichen Veranstaltung am Diebsteich vor.
Seit 5.7. 2021 wird der neue Bahnhof Altona gebaut.
Im Oktober 2022 wurde der Bahnhof Diebsteich abgerissen. An seiner Stelle soll eine neue S-Bahn-Station errichtet werden, die ein Jahr später als Teil des neuen Fernbahnhofs eröffnet werden soll.
Im Dezember 2022 werden die finalen Pläne für die Musikhalle und ein Fußballstadion auf dem ehemaligen Thyssen-Krupp-Gelände vorgestellt.
Im November 2023 muss das beliebte Café Buena Vista schließen, nachdem das Grundstück an die DB verkauft worden ist.
Im März 2024 wird das Gebäude abgerissen.
Zuvor wurden etliche Bäume an den Gleisanlagen gefällt, um das umstrittene Bahnhofsprojekt zu realisieren.
Die Arbeiten am neuen S-Bahnhof verzögerten sich.
Erst mit rund eineinhalbjähriger Verspätung wird die neue Haltestelle Anfang 2025 eröffnet - zunächst nur über eine Treppe und damit nicht barrierefrei erreichbar. Seit Frühjahr 2026 steht den Fahrgästen ein Fahrstuhl zur Verfügung.